Gärtner und Gärten im Gothaer Land: Exotisches Blütenmeer mitten im Winter

Thüringer Allgemeine/ Wieland Fischer vom 13.01.2021

 

Gernot Harnisch züchtet Kamelien und stellt die Pflanzen bei Führungen zu Hause und im nördlichen Treibhaus der Orangerie vor.

Kamelien-Sorten, benannt nach der Frau des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt. 

Foto: Wieland Fischer

Loki Schmidt blüht im Gewächshaus von Gernot Harnisch mitten im Januar in den schönsten Farben. Es handelt sich um eine Kamelie, die deren Züchter Peter Fischer nach der Frau des früheren Bundeskanzlers Helmut Schmidt benannt hat. Loki war eine ausgewiesene Liebhaberin der exotischen Pflanze.

Wie Loki ist Gernot Harnisch aus Gotha ein begeisterter Kamelien-Freund und Züchter von Pflanzen aus der Familie der Teestrauchgewächse. Sein Bestand umfasst mittlerweile ähnlich viele, wie der im nördlichen Treibhaus der Orangerie Gotha, wo deren Kamelien überwintern. Die aus Fernost stammenden Kamelien dienten einst in Wintermonaten an Fürstenhöfen als Blumenzierde. „Sie waren die einzigen Pflanzen, die im Winter blühten, als noch keine Blumen aus südlichen Ländern eingeflogen werden konnten“, erinnert Harnisch. Erst mit dem Bau des Gotthard-Tunnels habe sich das geändert. Inzwischen werden Kamelien sogar in Baumärkten angeboten.

Erste Pflanze kam aus dem Gartenmarkt

Gernot Harnisch hat seine erste Kamelie bei Maronde Gotha erworben. Den Gartenmarkt gibt es nicht mehr. Bei Harnisch wachsen und gedeihen sie hingegen prächtig. Inzwischen ist sein Bestand durch Zucht, Kauf und Schenkung auf 72 Pflanzen angewachsen und ähnlich groß wie der im nördlichen Treibhaus der Orangerie. Seit mehreren Jahren führt Harnisch mit Schlossparkverwalter Jens Scheffler und dem Gothaer Landtagsabgeordneten Matthias Hey (SPD) durch das Treibhaus und sammelt für die Sanierung des Gebäudes.

Die Arbeit bei den Orangeriefreunden Gotha hat Harnischs Aufmerksamkeit für die exotische Pflanze geweckt. Beim Fotografieren für Kalender und Postkarten der Orangeriefreunde habe er die Winterblüher im nördlichen Treibhaus entdeckt. „Dort standen noch ein paar Kamelien aus DDR-Bestand.“

Eine seiner Kamelien-Postkarten habe damals Jens Scheffler nach Pirna Zuschendorf geschickt. Postwendend seien von dort 25 Kamelien geliefert worden. Für Harnisch war der Samen gelegt, um sich intensiver mit Kamelien zu beschäftigen. „Es gibt mehr als 30.000 Sorte, jede hat andere Blüten und Blätter“, beschreibt er den Reiz, der von der Pflanze ausgeht.

Heute ist Harnisch Mitglied der Internationalen Camellia Society (ICS), gestaltet deren Internetseite, versendet seine selbst kreierten Kamelien-Kalender und -Postkarten weltweit, nach Frankreich, Großbritannien, Japan, China - dorthin, wo Kamelien-Freude leben. „Als ich Rentner wurde, habe ich ein Hobby gesucht“, sagt der ehemalige Kranmeister der Eisenbahn. Inzwischen bestimmen die Exoten den Lebensrhythmus von Gernot Harnisch und seiner Frau Marion. Ihre Reisen führen sie dorthin, wo Kamelien blühen, nach Spanien bis nach Südengland.

Orangenbäume im Haus und Kamelien im Gewächshaus

In ihrem Haus in der Goldbacher Siedlung Haus blühen Orangenbäume. Die Kamelien hat Harnisch während der kalten Jahreszeit in mehreren Gewächshäusern stehen. „Sie mögen es nicht so warm, am besten frostfrei bis 15 Grad. Kamelien brauchen den Kältereiz. Da blühen sie länger“, besagt Harnischs Erfahrung, der aus Finsterbergen stammt, zu dessen elterlichen Hof auch Landwirtschaft gehörte.

Mit Kerzen und Elektroheizgerät hält er im Winter die Temperatur in seinen Gewächshäusern bei zwei Grad. Als Boden sei Rhododendronerde mit einem pH-Wert von 5,5 geeignet. Da habe aber jeder Züchter sein eigenes Rezept. Man müsse das selbst ausprobieren.

Im Frühjahr, wenn es wieder frostfrei ist, stelle er seine Kamelien ins Freie, unter den Kirschbaum oder rund ums Haus. So hat es Harnisch bereits im vergangenen Jahr praktiziert. „Wegen Corona konnten ja keine Leute durch das Haus geführt werden.“ Harnisch hat ein Hinweisschild angefertigt, um weiter Menschen auf die Kamelien und deren Schönheit aufmerksam zu machen.

 

 

 

 

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