Erfahrungen mit der Aussaat von Kamelien.
Dr.med.habil. Klaus Richter

Als Rentner ohne technische Hilfsmittel kann man meine Aktivitäten bei der Kamelienaussaat nicht als Züchtung bezeichnen. Ich betreibe die Kamelienaussaat ausschließlich als Hobby, das mir allerdings langsam „über den Kopf wächst“. Zur Zeit betreue ich etwa 300 Sämlinge, von denen bisher etwas mehr als 70 geblüht haben.

Die ersten Samenkapseln bildeten sich bei mir 2005 zufällig an Yukibata und Lady Campbell. Das erweckte mein Interesse. So übertrug ich jedes Jahr völlig unsystematisch, anfangs mit einem kleinen Wattestäbchen Pollen von schönen Blüten auf die Stempel anderer. Da mein Hobbyfotograf sich über die manchmal auf den Blüten zurückgebliebenen Wattefäserchen beschwerte, benutzte ich dann für die Pollenübertragung einen kleinen weichen Pinsel recht erfolgreich. Allerdings konnte ich später für die erzielten Sämlinge nur die Mutterpflanze benennen (wenn nicht eine Drossel oder Elster mein Beschriftungsschildchen aus dem Pflanztopf herausgezogen, oder ich es beim Umpflanzen vergessen hatte).

Schon die entstandenen „Samenäpfelchen“ zeigten eine interessante Vielfalt: 

Geerntet habe ich die Samen, wenn die Samenkapsel aufgeplatzt war. Man muss aber zeitlich aufpassen, sonst fallen sie allein auf die Erde und sind nur noch schwer zu finden. (So sind bei mir plötzlich 2 Kameliensämlinge im Garten gewachsen, von denen einer ohne Winterschutz schon drei Jahre überlebt hat.)

Sind die Samen zu trocken, scheint die sog. Schwimmprobe weniger aussage-fähig zu sein. In Einzelfällen zeigten sich schwimmende Samen nach dem Einweichen doch noch als keimfähig. In der Regel habe ich sie aber verworfen.

Als Substrat für die Aussaat habe ich etwas Sand mit Kakteenerde und Weißtorf gemischt. Die Aussaat in Seramis zeigte mir keinerlei Vorteile.

Es scheint nicht optimal zu sein, die Samen nur auf das Substrat zu legen. Sie keimen zwar ebenfalls gut, stagnieren dann aber oft im Wachstum, weil die gebildete Wurzel den Samen hochhebt, wodurch er dann an der Luft zu trocken wird. Für die Gesamtentwicklung des Keimlings scheint es besser zu sein, wenn der Samen mit Erde etwas bedeckt wird.

Derart vorbereitet wurden die Samen im beheizten Minitreibhaus in Einzeltöpfen bei etwas über 20 ° C gehalten. Für mich war die Keimung beendet, wenn der Keim senkrecht nach oben zeigte. Aus räumlich-technischen Gründen musste ich viele Samen vor der Aussaat erst einmal lagern. Das geschah immer in kleinen Röhrchen feucht gehalten im Kühlschrank. Einige Samen bildeten schon unter diesen Bedingungen während einer längeren Lagerungszeit die erste Wurzel. Die Dauer der Lagerung der Kameliensamen im Kühlschrank musste aus organisatorischen Gründen und aus Platzgründen im Minitreibhaus (aus dem ich immer die gekeimten Kamelien entfernte und dann bei Zimmertemperatur im großen Blumenfenster hielt) völlig unsystematisch und zufällig erfolgen.

Die Keimfähigkeit der Kameliensamen ist von so vielen Faktoren abhängig, sodass es nicht verwundert, dass die Zeitdauer bis zur Keimung im Einzelfall extrem schwanken kann.

Bei den damaligen Bestrebungen, Teepflanzen aus China nach Europa zu bekommen, hat der lange andauernde Transportweg per Schiff ein großes Problem dargestellt. Mitgebrachte Samen der Teepflanzen keimten nach Ankunft in Europa nur noch sehr begrenzt. Damals wurde beobachtet, dass die Keimfähigkeit der Teesamen nach 4 – 6 Monaten Lagerung deutlich nachlässt.

Deshalb empfahl Linne´, die Samen schon auf dem Schiff auszusähen. 

Leider bin ich erst recht spät auf die Idee gekommen, das Keimungsverhalten meiner Kameliensaaten genauer zu dokumentieren und die Ergebnisse auszuwerten:

Insgesamt keimten von 181 Samen 30 nicht (= ca.17 %) 

Die Jahresunterschiede waren enorm:

Es keimte nicht:   2016  nur   2 %       (1  von 51 Samen)

                                2017         37 %       (20 von 54 Samen)

                                2018         10 %        (8 von 76 Samen)

 

Die Keimfähigkeit zeigte sich auch deutlich sortenabhängig:

Z.B. sind alle eingesetzten 31 Samen von „Valley Knudsen“ gekeimt,

dagegen sind von 16 Samen der „April Remembered“ nur 10 (= 62,5 %) aufgegangen. Ähnlich schlecht war die Erfolgsquote bei Samen von „Lady Campbell“ und „Shirayuki“. Hierbei spielen sicher auch Pflegebedingungen eine Rolle.

Bei der Auswertung der Beziehung zwischen der Lagerungsdauer der Samen im Kühlschrank und der Zeitspanne zwischen Aussaat und Keimung ergaben sich trotz großer Streubreiten scheinbar eindeutige Tendenzen:

 

Samenlagerungsdauer                                           Tage bis zum aufrechten Keim

Im Kühlschrank                                                        nach der Aussaat

 

      0 -   1    Tage            (n = 28)                                  114         ( 54 - 166)

      8 -   15        „             (n =  14)                                  95          ( 35 - 161)

    16 -   18        „             (n = 14)                                    80            (21 - 182)

     20 -   28      „              (n = 10)                                    54            (21 -  175)

     30 -   38       „            (n = 23)                                    49            (20 -    78)

     50 -   55       „            (n = 12)                                    34            (12 -   80)

     81 -   88     „             (n = 10)                                    39           (22 -    78)

   103 - 108    „              (n = 10)                                     22           (10 -   40)

   113 - 135    „              (n =   9)                                    27           (15 -   42)

   153 - 163    „              (n =  8)                                      28            (16 -   36 )

   170 - 188     „             (n = 7)                                      24            (16 -   41)

Danach ließen sich vorsichtig folgende Aussagen ableiten: 

  • Bei sofortiger Aussaat nach der Samenernte muss mit einer längeren Keimdauer gerechnet werden.
  • Die feuchte Lagerung der Kameliensamen im Kühlschrank mindestens für einen Zeitraum von 6 Monate scheint keinen negativen Einfluss auf die Keimfähigkeit der Samen zu haben. Ein Versandt von Kameliensamen sollte unter feucht-kühlen Bedingungen erfolgen.
  • Bei feucht-kühler Lagerung der Samen von mindestens 100 Tagen kann mit einer Keimdauer von nur 10 bis 40 (im Durchschnitt 24) Tagen kalkuliert werden.
  • Die kürzeste Zeitspanne zwischen Samenernte und Keimung der Samen ist nach etwa dreiwöchiger Lagerung im Kühlraum zu erreichen. 

Hinsichtlich der Weiterentwicklung der Pflanzen spielte es keine Rolle, ob der Samen sofort, oder erst nach längerer Lagerung ausgesät wurde. Ich kann allerdings keine Aussagen machen über die Folgen einer nicht kalten Lagerung.

 

 

Samenäpfelchen